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Bela´s Interview

Eine Unterrichtsstunde mit Bela B.

 

Ist ein durchgestrichenes Hakenkreuz verfassungsfeindlich? Im Berliner Carl-von-Ossietzky-Gymnasium gibt Bela B. der Stufe 11 Sozialkundeunterricht.

14.25 Uhr. Auf 14 Uhr war die Vertretungsstunde zum Thema Rechtsextremismus angesetzt. Als ordentlicher Rockstar kommt Bela natürlich zu spät auch klar, dass die Schüler brav warten. Wegen der paar Minuten lässt man sich ja nicht entgehen, wie ein Alt-Punk über Nazis redet. Als Bela endlich kommt, sinniert er aber erst mal über seine Eignung zum Aushilsfslehrer.

Bela:
Ich hab selbst gar kein Abi. Deshalb finde ich es ziemlich lustig, dass ich jetzt hier eine Unterrichtsstunde mache. Na ja, der Onkel setzt sich erst mal. 

14.30 Uhr. Den Einstieg macht Lotte mit einem Kurzvortrag über das Projekt Stolpersteine, das mit Gedenktafeln an das Leben jüdischer Menschen erinnert, die während der Nazi-Zeit umgebracht wurden.

Bela:
Tolles Projekt. Wir sollten uns immer wieder daran erinnern, was in diesem Land passiert ist. Redet ihr denn im Unterricht darüber?

Tessi:
In dem ganzen Lernstress geht das irgendwie unter.

Franzi:
Wir waren mal im KZ in Sachsenhausen wenn man das selbst gesehen hat, ist es schon erschreckend.

Lotte:
Beim Holocaust-Mahnmal waren wir auch. Aber ehrlich gesagt habe ich nicht ganz verstanden, was der Künstler damit sagen will.

Bela:
Ich auch nicht. 

14.40 Uhr. Bill hält das zweite Kurzreferat. Thema: Das Projekt Exit Deutschland , das Leuten hilft, die aus der rechten Szene aussteigen wollen. Ins Leben gerufen hat es Ingo Hasselbach, der selbst eine Neonazi-Vergangenheit hat.

Bela:
Ingo Hasselbach habe ich mal getroffen und fand ihn sehr beeindruckend. Das Wort Ausstieg klingt ja irgendwie nach Drogenszene. Ich finde, das kann man auch vergleichen. Das Ganze hat viel mit dem sozialen Umfeld zu tun. Ich bin in meiner Schulzeit nur einmal richtig mit rechtem Gedankengut konfrontiert worden. Da musste ich den Hof kehren, weil ich irgendwelchen Mist gebaut hatte. Ein Typ hat mich angesprochen und hatte Flugblätter von der Wiking-Jugend dabei. Habt ihr solche Sachen mal erlebt?

Bill:
Ich kriege oft Sprüche wie Zecke, verrecke! an den Kopf geworfen.

Tessi:
Ich habe eine Freundin, deren Mutter von den Philippinen stammt. Die wurde mal in der Disco als Türkin beschimpft. Da dachte ich nur: Jungs, wie bescheuert seid ihr denn?

Bela:
Als ich 13 oder 14 war, gab s bei uns an der Schule eine Türken-Gang. Die war ziemlich brutal da hab ich in der Gruppe auch mal Kanake mitgerufen. Später habe ich mit meinem Onkel darüber geredet und mich dann ein Jahr lang geschämt. Was ich sagen will: Vielleicht fehlt jungen Nazis auch einfach mal ein offenes Ohr. Bill, du siehst ja sehr nach Anarcho-Szene aus. Glaubst du nicht, dass das bei den Rechten ein ähnliches Gruppenzugehörigkeitsgefühl ist wie bei euch auch? 

Bill gibt Bela recht. Und die anderen packen ihre Geschichten aus.

Kevin:
Ich kenne einen Typen, der für kurze Zeit in die rechte Szene gerutscht war. Den habe ich gefragt, warum er sich plötzlich so anzieht. Da hat er zugegeben, dass er nur auffallen wollte. Schon traurig.

Jojo:
Man darf solchen Leuten eben nicht zu viel Aufmerksamkeit geben.

Bela:
Es ist aber sinnvoller, mit den Leuten zu reden als sie zu ignorieren. In dem Moment, wenn jemand sein Kreuz für die NPD macht, hält man ihn für ein Arschloch. Aber da steckt ja mehr dahinter.

15 Uhr. Im dritten Vortrag erzählt Martin von Mobilen Beratungsteams. Danach wird Bela gefragt, welche Erfahrungen er schon mit Nazis gemacht hat.

Bela:
Jetzt bin ich ja ein gediegener Herr. Aber selbst früher hatte ich mit organisierten Neonazis eigentlich nur auf Demos zu tun. Manchmal verirren sich auch Nazis auf Ärzte-Konzerte. Wir haben sogar mal einen Brief bekommen, da stand drin: Letztens hab ich in der Disco zu Schrei nach Liebe getanzt. Und plötzlich hab ich gedacht Hey, die singen ja über mich und beschimpfen mich als Arschloch. Dabei war das immer mein Lieblingslied.  

15.15 Uhr. Politiker und Juristen diskutieren neuerdings darüber, ob durchgestrichene Hakenkreuze verboten werden sollten. Bela hält das für einen großen Fehler.


Desi:
Ich habe von einem gelesen, der auf einer Antifa-Demo war und so ein Symbol getragen hat. Der musste 300 Euro Strafe zahlen. Die Zeitung hat Ausländer befragt, wie die das Zeichen deuten würden, und alle haben gesagt: gegen Rechtsextremismus. Deshalb verstehe ich das nicht.

Anne:
Die Leute haben schon reagiert und schreiben jetzt Hakenkreuz in Worten aufs T-Shirt und streichen das durch.

Bela:
Das Gute daran ist, dass Kreativität gefragt ist. Man muss sich überlegen, wie man weiter Stellung beziehen kann.

15.25 Uhr. Nachdem statt einer Schulstunde schon eine Zeitstunde rum ist, neigt sich die Vertretungsstunde dem Ende. Die Klasse will zum Schluss wissen, wie und warum Bela sich gegen Rechts engagiert.

Bela:
Unsere Texte werden ja oft von den Neonazis missbraucht und in deren Sinne absichtlich falsch interpretiert. Wir versuchen, unsere Bekanntheit zu nutzen, um jungen Leuten zu sagen: Fallt nicht auf die Rattenfänger rein. Deshalb habe ich auch meinen Song zum kostenlosen Download ins Internet gestellt. Jeanette Biedermann hat so was auch gemacht, aber das zieht vielleicht weniger. Also, in der Subkultur erreicht man damit keinen.

Lotte traut sich noch zu fragen, ob die Ärzte nächstes Jahr auf Tour gehen. Die Antwort: wahrscheinlich nicht dafür plant die Band ein neues Album. Bela verabschiedet sich mit den Worten: Ich hoffe, ich war nicht zu sehr der belehrende Onkel. Na ja, vielleicht ein bisschen. Aber die Klasse nimmt es ihm nicht übel und verteilt großzügig Einsen an den Vertretungslehrer.


Protokoll: Julia Karnah

 

 Gute Sache !!!

 

 

 


 

17.3.07 19:52
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jul´chen von de Menthie (10.9.07 18:27)
Moah wie ich Bela mag Und Leaaaaaaa? wir sehn den am 22.11 und Faaaaaaaaaaaaarin boah der Tag wird so geil ne hehe bd

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